Vorbereitungstour April 2011


Nach  Beendigung unserer Weltumradlung 2008 hatten wir die Tourenräder im Keller eingemottet. Hervorgeholt wurden sie nur als Anschauungsstücke bei Vorträgen und Fernsehauftritten. Für Tagestouren und kleinere Ausflüge in Mittelfranken hatten wir ja noch unsere Mountainbikes.

So um die Jahresmitte 2010 begann es bei uns zu kribbeln und das Fernweh erwachte wieder. Hatten wir im Keller etwas zu tun, so war es fast unvermeidlich, die Tourenräder in Augenschein zu nehmen. Irgendwie hatten wir das Gefühl, als wenn sie uns sagen wollten, wie lange müssen wir  denn hier noch ausharren. Wie selbstverständlich lag eines Tages der große Weltatlas auf dem Wohnzimmertisch. Wo fahren wir denn hin?? Um die Welt, das unternimmt man nur einmal und so lange sollte es auch nicht sein. Radeln wir nach Westen oder nach Osten?? Wir könnten auch Fliegen und nach Hause radeln. Es dauerte ein paar Tage, dann stand die neue Route fest.

Neugierig??? Anfang Mai 2011 geben wir es bekannt.

Die Wintermonate wurden für die Generalüberholung unserer bewährten und lieb gewonnenen Räder genutzt. Fast 2 ½ Jahre extremste Beanspruchung hatten ihre Spuren hinterlassen.

Folgende Teile wurden erneuert:

Laufräder, Zahnkränze, Kassetten, Schläuche, Mäntel, Seilzüge und Hüllen, Griffe, Sättel, Steuersätze, Gepäckträger vorne, Felgenbänder, Rückspiegel, Hupen, Bremsgummis, Luftpumpen, Lampenhalterungen, Klickpedale, Radlager, Radständer, und diverse Kleinteile. Undichte Stellen an Gepäcktaschen wurden verklebt, Lackschäden  am Rad ausgebessert.

Hier wollen wir uns besonders bei Christian, von „Radsport Nagel“ in Herzogenaurach bedanken, der uns mit Rat und Tat beiseite stand und bei so mancher Reparatur half.

Selbstverständlich haben wir uns auch mit neuer Radkleidung ausgestattet.

Dann war es soweit. Mit voll bepackten Rädern starteten wir nach Seßlach, bei Coburg. Eine 2-Tagestour von ca. 190 km hin und zurück mit Zeltübernachtung. Eine Testtour – im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl am Tag zuvor getestet, funktionierte der Tacho bei Doris’ Rad nicht. Also nach 1 km wieder zurück zum Nachjustieren. Dann nach ca. 10 km erneuter Stopp. Die Sattelhöhen wurden nachgestellt. Wieder ein paar Kilometer weiter, die Kette rattert bei einer bestimmten Schaltstellung. Auch das kein großes Problem – dann schnurrten die Räder.

Doch was war das? Wir hatten plötzlich heftigen Gegenwind! Der versprochene Sonneschein war nicht da. Dafür bewölkt, kühl +10°C. Ein Tourenradler kam uns entgegen. Sein Kommentar: „Endlich richtige Radler, so wie es sein soll!“ Ein freundlicher Gruß, paar nette Worte, dann trennten sich unsere Wege. Er war der einzige an diesem Tag.

Den Platzwart vom Campingplatz „Sonnland“ in Seßlach mussten wir erst suchen. Die Zufahrt war versperrt, nur ein paar Dauercamper mit ihren Wohnwagen waren da. Er meinte: „Ihr könnt das Zelt aufstellen, wo ihr wollt, es ist sonst noch niemand da! Dieses Jahr seid ihr die ersten. Morgen Früh könnt ihr dann bezahlen“, und gab uns einen Schlüssel für die Sanitärräume. Windgeschützt wurde das neue Zelt aufgestellt. Das alte - gleichen Typs - hatten wir ausgemustert, es hatte kaputte Reißverschlüsse und undichte Stellen.

Das Mittagessen war ausgefallen und der Magen knurrte. Doch in Seßlach mit seiner historischen und sehr touristischen Altstadt fanden wir einen gut bürgerlichen Gasthof. Zuerst trank jeder ein kühles Weißbier, dann gab’s zwei riesige Schnitzel, bei denen die Beilagen fast kümmerlich wirkten und nochmals  ein paar Weißbiere, damit alles im Magen gut eingeschwemmt wurde. Ein paar nette Gespräche am Tisch und wir ließen den Tag ausklingen.

Bereits um 21 Uhr lagen wir im Zelt. Die ungewohnten Anstrengungen – wir schliefen fest und gut. Es war weit nach Mitternacht, als wir durch monotone Geräusche geweckt wurden. Es regnete! Toll, wie bestellt! Für unser neues Zelt die erste Bewährungsprobe. Es dämmerte bereits und der Regen hörte auf. Wir streckten uns noch etwas und hörten beim morgendlichen Konzert der Vögel zu. Vielleicht sind wir etwas romantisch, aber genau das ist es, was wir erleben wollten.

Noch etwas ungeordnet ging der Zeltabbau und das Einräumen der Taschen vonstatten. Es war fast 10 Uhr, als wir den Campingplatz verließen. Beim Abschied meinte der freundliche Platzwart: „Offiziell habt ihr beide jetzt für mich die Saison eröffnet.“

Wir hupten und fuhren winkend zum Tor hinaus. In der örtlichen Bäckerei ließen wir uns zum Frühstück leckeren Kuchen und ein Haferl Kaffee schmecken. Wohl gestärkt radelten wir auf gleichem Weg zurück nach Erlangen. So um die Mittagszeit riss die Wolkendecke auf und Sonneschein begleitete uns die letzten 40 Kilometer. In Möhrendorf gab es noch einen Einkehrschwung bei Charly. Vielleicht nicht die richtige Komposition - jeder 4 Eiskugeln und anschließend ein kühles Hefeweizen -, doch egal wie, es war lecker, über Geschmack lässt sich streiten.

Als die Kirchturmuhr 18 Uhr schlug öffneten wir zuhause unser Gartentor. Die 2-tägige Testtour war erfolgreich beendet.

 

Zusammenfassung:

Radkilometer 191 km

Durchschnittsgeschwindigkeit 18 km/h

Zeitraum 2 Tage

tägl. Fahrleistung ca. 95 km

tägl. Fahrzeit ca. 5 ½ Stunden

Gewicht Fahrrad bepackt ca. 45 kg

Höhenmeter gesamt ca. 580 m

max. Steigung 12 %

Temperatur max. +23°C

Temperatur min. +4°C

Radwege ca. 70 %

Straßen verkehrsberuhigt 30 %

Campingplatzgebühr + Duschen 14,00 €

 

Doris und Klaus, April 2011



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