Vorbericht:

Die letzten Tage vor den Start!


Samstag, 4. März 2006
Dauerschneefall den ganzen Tag. In Erlangen, in einer verhältnismäßig schneearmen Gegend, liegt ca. 20 cm Neuschnee. Die Medien berichten von Schnee-Chaos mit Verkehrsstaus auf den Autobahnen bis ca. 50 km Länge. Dabei soll in 11 Tagen unser Start erfolgen. Mit gemischten Gefühlen beobachten wir das Schneetreiben vor unserem Fenster. Wann kommt endlich der Frühling! Sollte unser Abfahrtstermin platzen? Jetzt nur nicht die Nerven verlieren, vielleicht kommt doch noch der ersehnte Wetterumschwung. Die Räder stehen teilweise beladen in unserer Wohnung. Die nächsten Tage werden wir bestimmt unruhig schlafen und von schneebedeckten Straßen träumen. Der einzige Trost, lt. Wetterkarte sind im mediterranen Bereich bereits Tagestemperaturen von + 15° C. Doch dazwischen liegt eine Kaltfront von ca. 1000 km. Jetzt heißt es vorerst abwarten und hoffen.

Sonntag, 5. März 2006
Über Nacht kein Neuschnee und Tagestemperaturen über dem Gefrierpunkt. Ein kleiner Lichtblick, das Wetter scheint sich zu bessern. Jetzt heißt es abwarten, nach dem Motto: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Doch die Abendnachrichten bestätigen das Gegenteil. Die Räumfahrzeuge kämpfen ohne Hoffnung auf Besserung gegen die Schneemassen. Alle Straßen in Nord- und Südbayern sind kaum passierbar. Wieder gehen wir mit gemischten Gefühlen ins Bett. Lt. Medienberichten ist es die größte Schneemenge, die es je in einem März gegeben hat.

Montag, 6. März 2006
Heute war der letzte Impftermin, d.h. wir sind grundimmunisiert. Es hat ganz schön Geld gekostet. Jetzt können wir sogar zubeißen, ohne dass einer Tollwut kriegt. Erlangen hat bis auf die Hauptstraßen eine geschlossene Schneedecke. Rosi muntert uns auf. Ab Mitte der Woche kommt der Frühling.

Dienstag, 7. März 2006
Es wird gepackt, aussortiert und alles gewogen, bevor es in den Radtaschen verstaut wird. Alles wir noch mal gemeinsam überdacht; brauchen wir es, oder kann man es sich auf der Tour zulegen. Dabei sind wir nicht unbedingt einer Meinung. Was man als Mann wichtig erachtet, ist aus der Sicht meiner Frau nicht zwingend notwendig oder umgekehrt. Es gibt kleine Spannungen, aber letztlich entscheidet die Vernunft. Das Zusatzgepäck am Fahrrad soll die 25 kg pro Nase nicht übersteigen. Es gibt viele Anrufe und bei allen steht die Frage im Raum, was macht ihr, wenn das Wetter nicht besser wird. Was soll man da antworten. Wir sehen nur noch weiß!

Mittwoch, 8. März 2006
Doris versucht das Chaos im Wohnzimmer zu beseitigen. Es werden Papiere sortiert, eingeordnet und Überholtes zerrissen. Mit Sorgenfalten schau ich aus dem Fenster – es schneit schon wieder, es ist auf Deutsch gesagt – zum Kotzen! Langsam hassen wir den Schnee. Beim Zweirad-Stadler letzte Kleinigkeiten geholt, hoffentlich habe ich alles. Oma unser bestes Stück erledigt restliche Näharbeiten an unserer Kleidung.

Donnerstag, 9. März 2006
Vergangene Nacht sowie tagsüber Dauerregen. Die Schneemassen schmelzen. Vormittags hatten wir ein längeres Informationsgespräch in der Klinischen Mikrobiologie bei Frau Dr. Albrecht über Vorbeugung sowie Präventivmaßnahmen bei akuten Infektionen wie z. B. Malaria. Trotz ihrer Stresssituation in der Klinik als Ärztin nahm sie sich die Zeit uns ausreichend aufzuklären. Nochmals vielen Dank. Zum Abschied umarmte sie uns und wünschte uns alles Gute. Lt. Ihrer Aussage nach sind wir was Besonderes und alle nehmen Anteil an unserem Vorhaben. Sie werden unsere Tour auf der Homepage verfolgen.

Freitag, 10. März 2006
Es gibt doch noch Wunder an der Wetterfront. Unser geplanter Abfahrtstermin am Mittwoch, den 15 März 2006, scheint nicht gefährdet. Die 7-Tage Wettervorhersage meldet ab Dienstag für uns gute Aussichten! Aufgrund von Änderungen der Vorschriften in den Visa-Anträgen für Australien, mussten diese nochmals neu beantragt werden. Hoffentlich hat dieser Papierkrieg langsam ein Ende. Mit Marco telefoniert und eine Mail geschickt, damit alle Vereinsmitglieder der Triathlon-Abteilung wissen, dass der Starttermin feststeht. Da es ein Arbeitstag ist, werden vermutlich nicht viele zum Abschied da sein. Wir waren noch mal beim Campingladen in Herzogenaurach – wir brauchten noch ein paar Kleinigkeiten. Die Notfallapotheke ist zusammengestellt und restliche Arzneimittel eingekauft. Hoffentlich brauchen wir sie sowenig als möglich.

Samstag, 11. März 2006
Ich wache auf, ziehe die Vorhänge zurück, was sehe ich, es schneit. Da ist die Stimmung schon wieder am Nullpunkt. Doris stellt fest: „ Ob du schimpfst oder nicht, das Wetter kannst du nicht beeinflussen – das schadet nur deinen Nerven!“ Also aufstehen und Kaffee trinken. Großes Aufräumen in der Wohnung. Abends noch ein Treffen im Steinbach-Bräu mit Manni, Margit, Ramona und Wolfgang. Doch noch am gleichen Abend kam der Winter zurück mit heftigem Schneetreiben und Kälte – 6°C. Alle Straßen sind schneebedeckt und vereist. Die Fahrradketten von Ramona und Wolfgang waren eingefroren. Margit bewegt unseren fahrbaren Untersatz mit 20 km/h nach Hause. Danke der Taxidienst hat geklappt. Unsere Nerven werden ganz schön strapaziert. Wenn das Wetter nicht besser wird, platzt unser Zeitplan. Kein guter Anfang.

Sonntag, 12. März 2006
Am Freitag schien alles o.k. zu sein mit unserer Abfahrt. 3 Tage später geschlossene Schneedecke. Unser Denken dreht sich nur noch um die Schneelagen mit seinen Auswirkungen. Wir holen die Straßenkarte aus dem Schrank und erwägen eine evtl. Routenänderung – und das kurz vor unserem Start. Im TV / Bayern 3, Seite 608, Wettervorhersage für die nächsten 7 Tage. Es wird uns gefühllos vermittelt, das Wetter wird besser aber mit einer Zeitverschiebung von ca. 1 Woche. Das Einpacken der Kleidung wird zum Lotteriespiel. Auf Grund der Wetterlage müssen wir umdenken und Zusatzkleidung mitnehmen. Wieder paar Kilo mehr.
Abends waren wir noch zu Besuch bei unseren lieben Freunden Rosi und Karl-Heinz, die unsere Homepage betreuen und auf dem laufenden halten. Zum Abschied umarmten wir uns und unser Dank gilt ihnen besonders für die liebevolle und selbstlose Unterstützung bei unserer Reise. Sie gewährleisten, dass der Kontakt zu Freunden und guten Bekannten aufrechterhalten bleibt und nicht abreißt. Die letzten beidseitig gut gemeinten Wünsche waren, bleibt gesund bis wir uns wieder sehen und dann gibt es eine Riesenparty.

Montag, 13. März 2006
Die ganze letzte Woche war bei uns das Wetter Thema Nummer 1. Wir haben noch nie so viel und intensiv Wetterlagen und Vorhersagen verfolgt. Sobald wir das Bett verlassen haben wurden auf TV/Bayern die Wetterberichte angeklickt. Ab Mittwoch tagsüber  +Temperaturen, ist das noch zu glauben nach den Falschmeldungen der Wetterfrösche in den letzten Tagen!!
Ich renne auf den Balkon zum Thermometer, es ist 10:00 Uhr und es zeigt +3°C. Gibt es doch noch das große Wunder?
Der Stress wird stündlich größer und unsere Räder immer schwerer. Die Packtaschen sind fast prall gefüllt. Um Unfrieden zu vermeiden werden sie im beladenen Zustand gar nicht mehr gewogen. Meine persönliche Meinung ist, wir haben zuviel dabei. Da erinnere ich mich an meine Australientour. Nach 8 Tagen wurde ausgemistet und alles überflüssige heimgeschickt. Es wird bestimmt wieder so kommen. Und was gibt es neues von der Wetterfront!! Wie gehabt eiskalt in der Nacht -8°C.

Dienstag, 14. März 2006
Der Tag vor der Abreise. Telefonate ohne Ende. Es werden Packlisten geschrieben, damit beim ersten Zwischenstop nicht das Chaos ausbricht – wo wurde was verstaut. Tagsüber Sonnenschein und am Fensterbankl sind es sogar +18°C. Wären da doch nicht die eiskalten Nächte. Letzte Aufräumarbeiten in der Wohnung sowie Einweisungen an die Zurückbleibenden,  was während unserer Abwesenheit zu machen ist. Jetzt muss man positiv denken, es geht bestimmt auch ohne uns. Was mich besonders beeindruckt ist, mit welcher Gelassenheit und Ruhe Doris in den letzten Tagen so alles wegsteckte. Sie würde mich nie allein lassen.
Abends kamen Manni und Margit noch zu einem kurzen Abschiedstrunk vorbei und besichtigten unsere Ausrüstung.

Mittwoch, 15.März 2006

Jetzt rollen die Räder!!


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