Amerika

Radtour Westküste Amerika und Hawaii
Juli bis September 1990


Wenn man 50 Jahre alt wird kommt der Zeitpunkt bei dem man etwas nachdenklich wird. Man schaut in sich hinein und kommt zu dem Ergebnis, dass Arbeit, Karriere und Geld verdienen nicht alles sein kann. Da gibt es noch die Familie und Sehnsüchte nach nicht erfüllten Jugendträumen die sich berufsbedingt nicht erfüllen ließen. In so einer Situation war ich. Mein Urlaubskonto hatte sich nach dem Motto „ohne mich geht’s nicht!“ auf ca. 100 Tage in den letzten Jahren angereichert und eine Vergütung in geldlicher Form kam für mich nicht in Frage. Da hätte doch nur der Staat an den von mir zu zahlenden Zusatzsteuern verdient. Das wollte ich nicht und war auch nicht im Sinn der Sache. In dieser Nachdenkphase erinnerte ich mich an eine Radtour durch Italien im Alter von 18 Jahren, die bei mir stets in bleibender Erinnerung war. Es war eine abenteuerliche 3monatige Tour und auf Grund meiner geringen verfügbaren Geldmittel mit einem einfachen Straßenrad mit 3 Gängen eine Herausforderung die ich erfolgreich bestand. Damals wollte ich mehr, aber Studium, das Berufsleben sowie die Zukunft mit Familie gaben mir bis heute keine weiteren Chancen für Ähnliches. Das sollte anders werden.
Mit viel Geschick und allen erdenklichen Überredungs-Künsten überzeugte ich meinen obersten Boss, dass er 3 Monate auf mich verzichten könne. Nach seiner Ansicht, wäre doch meine finanzielle Grundlage so, dass ich Amerika mit einem Mietwagen oder Wohnmobil bereisen könnte. So etwas mit einem Fahrrad zu unternehmen wäre doch ein irrsinniges Unternehmen. Man könne doch dies angenehmer haben. Aber gerade das wollte ich nicht. Nun ließ ich die Katze aus dem Sack. Meiner lieben Frau, die auch etwas Abenteuerlust in sich hatte und mit mir berufsbedingt viele Jahre im Ausland war machte ich den Vorschlag zu einer 3monatigen Fahrradtour entlang der Westküste von Amerika. Sie hörte sich alles an und war sofort begeistert, denn ganz unsportlich war sie nicht.
Also wurden Vorbereitungen getroffen, trainiert, passende Reiseräder gekauft und dann ging’s los. Viele hielten uns für verrückt, doch wir trugen es mit Humor. Am 3.7.1990 ging’s per Flugzeug über London nach Vancouver/Kanada. In Vancouver übernachteten wir in einer Jugendherberge und machten 3 Tage Sightseeing vor unserem Start. Wir akklimatisierten uns, besuchten den Stanley-Park und einige Völkerkundemuseen – Karl May war hautnah und der Wilde Westen vergangener Zeit. Am dritten Tag war es endlich soweit. Wir waren schon ganz unruhig. Die Räder wurden bepackt und noch mal kurz getestet und dann ging’s los mit dem Urlaub der sportlichen Variante. Bis zur Landesgrenze der USA mit dem Bundesstaat Washington waren es nur ca. 40 km. Doch an der Grenze gleich die erste Überraschung. Obwohl uns in Deutschland mitgeteilt wurde es gibt keine Grenzprobleme, waren wir erstaunt, dass wir für unser Einreisevisum bezahlen mussten. Es wäre noch teurer geworden, aber wir wurden nach einigen Verhandlungen als Familie eingestuft, was ja wohl richtig war. Doch bei 2 Pässen ist es teurer. Egal wie, die Einreise mit dem Flugzeug ist kostenlos. Von der Kanadischen Grenze fuhren wir entlang der Küste auf den Bundesstraßen 11 und 20 bis zum Fährhafen Keystone und nutzten die Fähre nach Townsand. Unser Ziel war der Highway 101. Dieser Highway ist die absolute Traumstraße der Westküste durch die Staaten Washington, Oregon, Californien bis zur Mexikanischen Grenze. Sie führt durch teilweise sehr hügeliges Gelände, größtenteils immer an der Küste zum Pazifischen Ozean und ist ein Erlebnis für jeden Tourenradler. Man ist nicht allein, trifft Gleichgesinnte, tolle Campgrounds und ist landschaftlich beeindruckend. Unsere Tagesetappen lagen im Mittel bei 100 km und waren nach anfänglichen Schwierigkeiten unser festgelegtes Ziel. Ein Problem für jeden Reiseradler sind wohl die ersten 10 Tage in der Dauerbelastung. Trotzt erheblicher Futtermengen tritt ein Gewichtsverlust ein. Man krabbelt früh ins Zelt und schläft wie ein Bär. Erstaunlich für mich war mit welch einer physischen Stärke meine Ehefrau Doris alles wegsteckte und konditionell immer stärker wurde. Ich hatte immer das Gefühl einen gleichwertigen Partner zu haben und das war toll. Was wir besonders angenehm empfanden, war die sprichwörtliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Amerikaner sowie der rücksichtsvolle Fahrstil der Autofahrer. Die großen Holztrucks in Oregon machten sich mit ihren ohrenbetäubenden Hupen schon von weitem bemerkbar und fuhren mit großem Bogen an uns vorbei, wobei die Fahrer uns freundlich zuwinkten. Für sie waren wir im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Exoten und oft mussten wir hören: „total grazy, but very great!“ Worauf wir auf uns besonders stolz waren, war die Tatsache, dass wir unsere Campingausrüstung voll nutzten, das heißt keine bezahlte Unterkunft, außer Campingplatzgebühren. Während wir in Washington noch ab und zu mit Regen und kühler Witterung zu rechnen hatten, wurde das Wetter täglich besser um so mehr wir südlicher kamen. Die Campingplätze boten großzügig Platz, waren immer sauber und ausreichend vorhanden in Reiseabständen von ca. 50 – 70 km. Von Townsand umfuhren wir die Halbinsel über Fairholm, Amanda-Park, Ocean-City bis Raymond. Die Küste ist ein riesiges nationales Natur- und Tierparadies, das unter besonderen Schutz des Staates Washington steht. Mit etwas Glück kann man Wale beobachten und viele Seelöwen bevölkern die Küstenregionen. Seevögel aller Art und Pelikane sieht man fast in allen Buchten. Der Ozean mit seinem großen Fischreichtum ist die Grundlage für diese großartige Tierwelt. Von Damon Port nach West Port wird noch mal das Fährschiff genutzt. Der Columbia – River ist die Grenze zwischen Washington und Oregon. Eine ca. 10 km lange Stahlträger- und Pfeilerbrücke führt über den Mündungsbereich des Columbia–Rivers und verbindet den Highway 101. In Oregon fuhren wir weiter bis Reedsport, wobei es uns fast täglich leid tat, die tollen Campingplätze am Ozean zu verlassen, aber bei jeder neuen Rast wurden wir aufs Neue entschädigt. In der Zwischenzeit hatten wir viele Freundschaften mit Gleichgesinnten geschlossen. Einmal war es Vater und Sohn, die von Kanada mit dem Fahrrad nach San Franzisko unterwegs waren oder Bill und Andy. Andy war 70 Jahre alt und ihr Sohn Bill begleitete sie ebenfalls mit dem Fahrrad nach San Francisco. Sie kamen von Portland. Eine tolle Radsportlerin, vor der ich große Hochachtung hatte. Sie sprühte nur so vor Lebensmut und Energie. Ab Reedport wurde es bergig. Wir bogen ab in Richtung Crater Lake. Bis jetzt waren wir schon über 15 Tage unterwegs und die Einrollphase lag hinter uns. Wir waren glücklich und stellten fest, das ist es – was wir immer wollten. Von Meereshöhe kurbelten wir 3 Tage immer stetig bergauf, bis 8025 Feet = 2448 Höhenmeter. Wenn man Wildwestfilme sieht so wäre das hier die Bühne für die Traumkulisse. Leider fehlten die Indianer. Die Gegend um den Crater Lake ist ein bevorzugtes Trainingsgebiet für Rennrad- und Mountainbiker. Abends beim Camping ist man nicht allein. Es bilden sich Gruppen und die tollsten Menüs werden unter Wettkampfbedingungen zusammengestellt und gebrutzelt. Wer vor Mitternacht ins Zelt verschwindet ist krank oder nicht gut drauf. Grenzüberschreitende Freundschaften mit viel Witz, Humor und gegenseitiger Hilfsbereitschaft, denn an Fahrrädern ist immer etwas defekt. Eine imposante Bergspitze ist der Mount Diamond mit ca. 2700 Meter, der alles überragt. Der Nationalpark Crater Lake, einschließlich Umgebung, wäre für einen 3wöchigen Urlaub das ideale Erholungsgebiet, leider jedoch nicht für uns. Noch ein paar Erinnerungsfotos, teilweise im Schnee, und dann ging's wieder bergab über Rogue-River nach Crescent City zum Pazifischen Ozean im Bundesstaat Californien. Ein beeindruckendes Erlebnis war das ca. 30 km lange Straßenstück der Raod 199 durch den Jedediah Smith Reed Wood National Park. Diese gigantischen Baumriesen aus längst vergangenen Zeiten mit Stammdurchmessern bis zu 10 m sind einzigartig auf dieser Welt und man kann nur noch staunen über diese Urwaldriesen, die bis zu 100 m hoch sind. Hoffentlich können sie trotz der erheblichen Umwelteinflüsse noch einige Generationen weiter bestehen. Und weiter ging's am Pazifischen Ozean über Eureka, Fort Bragg nach Mendocino auf einer typischen, hügeligen Küstenstraße voller Kurven, rauf und runter, Kräfte zehrend aber Abwechslungsreich und schön. In Fort Ross erlebten wir die jährliche historische Aufführung über den Befreiungskampf der Kalifornier über die Russen, die vor mehr als 300 Jahren das Land hier besetzt hielten. Es war der 28.7.1990 und ob wir es wollten oder nicht, jedenfalls waren wir mitten in diesen Feierlichkeiten mit unseren Rädern die Attraktion. Hier wurde richtiges Holzofenbrot nach Überlieferung hergestellt, was für eine kulinarische Abwechslung zu dem Weißbrot, welches bis jetzt auf unserem Speiseplan stand. Ab Albion ging's weiter auf der Raod 101 über Bodega Bay nach Sausolito, mit vielen Serpentinen. An der Küste auf Sandbänken lümmelten überall Seehunde und ließen sich durch nichts in der Welt stören. Bevor wir am 30.7. die Goldengate Bridge überquerten biwakierten wir auf einem Campingplatz bei Marin Headlands und genossen die Abendstimmung über der Bucht von San Francisco. Es sollte eine unruhige Nacht werden. Ein Rudel Waschbären abgebrüht und ohne jegliche Scheu vor Menschen randalierte während der ganzen Nacht. Versuche, die ansonsten harmlosen Tiere zu verscheuchen war vergeblich. Sie fauchten uns an und gaben uns zu verstehen, das ist hier ihr angestammtes Revier und wir sind halt mal die lästigen Besucher, die kein Verständnis für ihren Hunger hatten. Am nächsten Tag bei bedecktem Himmel überquerten wir das Wunderwerk der Technik auf dem Side Walk auf dem auch Radfahrer fahren durften. San Francisco bietet viele Attraktionen für Besucher aus aller Welt. Zwei Tage Pause sind eingeplant für Museen, den Hafen mit Historischen Segelschiffen, ein Muss ist die Fahrt mit der Cable-Car- Bahn, einfach wandern und genießen. Über die Dumbarton-Bridge verabschiedeten wir uns vom Ozean in Richtung Yosemitee Nationalpark. Je weiter wir mit den Rädern ins Landesinnere kamen, umso wärmer wurde es. In Freemont vor einem Fahrradladen wurde ich von einem freundlichen gut gekleideten Amerikaner angesprochen, der mich längere Zeit mit seinen Blicken musterte. Ich muss ihm mit meinem verwaschenen T-Shirt irgendwie leid getan haben. Er zog seine Geldbörse und drückte mir einen 20 $ Schein in die Hand mit den Worten, er will heute eine gute Tat tun und nach seiner Ansicht sind wir diejenigen, die darauf Anspruch hätten. Ich protestierte, aber er blieb dabei, verabschiedete sich von uns und wünschte uns alles Gute auf unserer weiteren Fahrt. Doris und ich schauten uns beide an und stellten fest, dass wir durch unsere von der Sonne ausgeblichenen Radkleidung doch einen ärmlichen Eindruck hinterließen. Ein weiteres Erlebnis amerikanischer Hilfsbereitschaft erlebten wir kurz danach bei Livermoore. In der Kleinstadt fragten wir bei einem Supermarkt nach einem Campground. In Stadtnähe gab es keinen und Camping im Stadtpark war verboten. Es wurde uns erklärt, dass etwa 10 Miles von hier ein Campground wäre an einem kleinen Stausee. Der Storemanager holte kurz entschlossen und ohne große Fragen seinen Pickup, lud unsere Räder auf, dann fuhr er mit uns dorthin, zahlte die Platzmiete, kaufte Feuerholz, half beim Abladen der Räder und verabschiedete sich von uns mit der Bitte irgendwann von uns einmal etwas zu hören. Unser Protest wir könnten das ja selbst bezahlen, lehnte er ab. Wir schickten ihm nach Abschluss unserer Radtour eine Bayernflagge mit einem Bild von uns als kleines Dankeschön. Der Campingplatz mit dem kleinen See war so schön gelegen, dass wir hier noch einen Ruhetag einlegten. Durch verschieden lange Radlerhosen und die Sonneneinstrahlung, hatte Doris vom Oberschenkel bis in die Kniegegend ringartig abgesetzte Bräunungsstufen. Hatte sie ihre kürzeste Radhose an, so war das sehr auffällig. Sie wurde öfters darauf angesprochen, denn viele glaubten sie hätte ein Hautleiden von besonderer Art.
Die Monate August, September sind in Kalifornien die heißesten und die Temperaturen können bis + 40°C ansteigen, so auch während unserer Tour. Die Landschaft zwischen Livermoore und Coulderville war durch die Hitze braun gefärbt, nur die Bäume hatten noch ihr Grün. In La Grande fanden wir uns im Wilden Westen wieder. Die Zeit schien hier stehen geblieben zu sein. Wir rasteten vor einem Saloon mit Haltestangen für die Pferde der Cow Boys. Richtig romantisch – nur der Sheriff fehlte. Umso mehr wir uns dem Nationalpark näherten, um so hügeliger wurde alles mit schweißtreibenden Passstrassen. Vereinzelt suchten wir Schutz vor der Sonne unter Schatten spendenden Bäumen. Die Campingplätze vor und im Nationalpark entsprachen feinstem amerikanischen Caravan Lebensstil. Großzügig angelegt und mit viel Platz. Wir wurden mit unseren Rädern bewundert, öfter eingeladen und mussten von unserer Tour erzählen. Bei soviel Freiraum pro Stellfläche fanden wir immer ein kleines kostenloses Plätzchen für unser Zelt. Der Yosemitee Nationalpark ist ein Erlebnis für sich. Wir blieben ein paar Tage, unternahmen Wanderungen und fuhren mit dem Rad durch das Naturschutzgebiet. Über all das zu berichten wäre Seiten füllend, aber ein paar Hinweise: gigantisch die Sequwia Groves, einmalig die Steilwand des El Capitano, traumhaft die Vernall-Falls, die Radtour durchs Valley, der klare Gebirgsbach durchs Tal in schöner Natur - nur etwas kalt, die atemberaubenden Kletterkünste der Extremsportler aus aller Welt die hier in den Steilwänden ihr persönliches Abenteuer verwirklichten, eine Rundfahrt mit dem Jeep mit Gregory und Kimberley zu den Meadows, sie hatten so viel Platz im Auto und freuten sich über unsere Begleitung. Abends mussten wir unsere Essensvorräte laut Campordnung in große verschließbare Blechkästen deponieren, wegen der hier frei laufenden Braunbären. Meine Doris war für diese Bären wahrscheinlich keine Delikatesse und zu mager, jedenfalls lag sie nach jeder Nacht morgens neben mir im Zelt. Die Bären bevorzugen andere Leckerbissen. Die letztgenannte Story war nicht so ernst gemeint. Aber wir mussten weiter auf unserer Tour und verabschiedeten uns von Freunden und der Faszination Yosemitee. Für viele ältere Amerikaner war Deutschland gelebte Vergangenheit durch den letzten Weltkrieg. Waren sie jedoch jünger, so hatten sie durch eine organisierte Reiseveranstaltung alle die gleichen Sehenswürdigkeiten besucht. Fast alle kannten das Hofbräuhaus in München, Nürnberg, in Berchtesgaden den Kehlstein mit dem Teehaus, Königsee, Herrenchiemsee, Heidelberg, Schloss Neuschwanstein und Salzburg. Kamen wir mit Amerikaner ins Gespräch und sie waren in Deutschland, so wussten wir schon im Voraus was uns erwartet. Deutschland wurde immer mit den gleichen Sehenswürdigkeiten und Orten in Verbindung gebracht.
Zurück ging's über Raymond wo wir John Wayne trafen. Er war der Doppelgänger des unvergesslichen Westernhelden vieler Filme. Er zeigte uns einen tollen Campplatz und kam Abends mit Steaks, Bier und Whisky zu Besuch. Ein toller Kerl. Obwohl wir um 7:00 Uhr früh bereits auf unseren Rädern saßen, hatten wir in Chowchilla schon +27°C. Am Stausee des San Louis Reservates nach Los Banos biwakierten wir nochmals und gönnten uns ein abkühlendes Bad. Weiter ging's nach San Juan Baudista vorbei an Plantagen mit riesigen Ausmaßen. Knoblauch, Pfirsiche, Blumen, Äpfel, Walnüsse, Gemüse aller Art. Da große Mengen von Obst am Boden lagen, bedienten wir uns nach Aufforderung durch das Plantagenpersonal. Es war Erntezeit und die Arbeit wurde vor Ort durch Mexikanische Erntehelfer ausgeführt. In der Mission von San Juan Baudista aus dem Jahr 1798 hatten wir ein nettes Erlebnis. Wir saßen vor der Mission auf dem Dorfbrunnen und picknickten als zwei große Reisebusse mit Besuchern hielten. Es stellte sich heraus, es waren alles Franken auf einer Sightseeing-Tour durch Californien. Es dauerte nicht lange und wir waren umringt, fränkisch war Landessprache. Die Reisegruppe war bereits 14 Tage unterwegs und wir stellten fest, ihre Stimmung war auf Grund der laufenden Termine und der Enge in ihren Bussen nicht mehr die Beste. Ein großer Teil der Reisenden verzichtete auf die Klosterbesichtigung und hörte uns zu. Bei der gegenseitigen Verabschiedung hatten wir das Gefühl, dass die meisten der Urlauber lieber mit uns weitergefahren wären. Ob das auch letztlich passiert wäre lassen wir offen! Einem Ehepaar das in unmittelbarer Nähe von Erlangen wohnte gaben wir Grüße an unsere Eltern mit, die auch prompt in Deutschland nach ihrer Ankunft telefonisch erledigt wurden. Bei Castroville erreichten wir wieder die Küstenstraße Nr. 101 in der Bucht von Monteray Bay. Weiter ging's über Big Sur, Gorda bis San Simeon. Was uns besonders beeindruckte waren die vielen und riesigen Kakteen am Straßenrand und in den Vorgärten der Häuser. Das Klima schaffte hier die idealen Voraussetzungen. Was hatten wir trotz intensiver Pflege doch für Kümmerlinge zu Hause. Hearst Castle, eine gebaute architektonische Phantasievorstellung eines der reichsten Zeitungsverleger dieser Welt, zog auch uns zu einer Besichtigungstour an. Hier handelt es sich um Pomp und Ansammlung von Kulturschätzen aus verschiedenen Epochen der neueren und älteren Zeitgeschichte eingebunden in den verschwenderischen Lebensstil eines neuzeitlichen Nachahmers von König Ludwig den II. Wir besichtigten nur zwei Teilabschnitte von vier Stück dieses Komplexes, denn wir hatten erkannt dass hier mit der Neugier der Massen Geld verdient wurde. Die Westküste war in unserer Vorstellung Landschaften und Natur. Über San Louis Obispo bis Santa Barbara radelten wir wechselweise auf der Straße No.1 und 101. Viel Buschland entlang der Küste mit Nadelwäldern und blühenden Gärten im Bereich von Ansiedlungen. Santa Barbara hatte seine Ursprünge durch eine Mission und ist heute ein Touristenzentrum mit einem riesigen Segel- und Yachthafen. Abgeschirmt durch Zäune und durch Alarmanlagen liegen Kriegsschiffe im Militärhafen. Die Stadt macht einen sehr sauberen Eindruck und die Bauweise und der eigenwillige Baustil der Häuser verriet, hier leben keine armen Leute. Die Besiedlung der Küste wurde immer dichter, um so mehr wir uns Los Angeles näherten. Eine flächenmäßig riesige Stadt mit geschätztem 100 km Durchmesser. Ein Besuch in Disney Land war Pflicht. So eine Fantasiewelt mit technischen Raffinessen wie einer nachgestellten Seeschlacht zu Zeiten von Erol Flynn, Floßfahrt mit Haifischfeeling, Tropenwald mit Nashorn, Affen und sonstigen Tieren, Westernstadt mit Cowboyromantik, Autorennen mit Crash, Nachbauten von Neu Schwanstein, Nachbildungen von historischen Bauten aus aller Welt, Theaterspiele usw. lässt Kinderträume wahr werden und bringt Erwachsene zum Staunen. Wir sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Unsere Bilanz ergab, vom 1.7. bis 18.8. hatten wir bereits
4043 km mit den Rädern zurückgelegt. Teilabschnitt I war erfolgreich beendet. Unsere Restzeit betrug noch 6 Wochen. Also beschlossen wir ein Crashprogramm. Wenn wir schon in Amerika sind, dann besuchen wir auch den Grand Canyon, Brice Canyon und das Death Valley. Wir mieteten uns ein Midsizecar, nahmen das notwendigste mit, deponierten die Räder bei Bekannten in L.A. und los ging's. Erst auf der Route 15, dann 40 durch wüsten-ähnliche Gebiete Richtung Nevada. Selbst diese trockenen Regionen sind in ihrer Einzigartigkeit faszinierend. Wir stoppten öfters und machten kurze Abstecher in die Landschaft rechts und links der Straße und staunten über die Vielfalt von Pflanzen und Kakteen, die hier Saisonbedingt ihr Leben fristeten. Einzigartig sind die Joshua Trees, sie finden Feuchtigkeit wo man glaubt da gibt es nichts. Flagg Staff ist auf Grund der Höhenlage die Trainingshochburg für Sportler aus aller Welt. Hier war Zwischenstation zum Grand Canyon. Mit dem Auto waren wir einer von vielen motorisierten Touristen, die hier auf ihrer Amerikatour vorbeikommen. Beide waren wir etwas traurig, dass wir durch unseren begrenzten Urlaubszeitraum das alles nicht per Rad erleben konnten. Verstärkt wurde das auch noch alles, als wir unterwegs einen Tourenradler trafen, den wir voll beneideten in seiner unbegrenzten Freiheit. Trotzdem waren die Eindrücke dieser grandiosen Natur ein bleibendes Erlebnis. Sollten wir gesund bleiben, so beschlossen wir, wird dieser Abschnitt zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Rad in Angriff genommen. Über einen detaillierten Reisebericht wollen wir uns nicht weiter vertiefen, da gibt es Reisebücher und Berichte, die diese Eindrücke besser vermitteln. Tabellarisch möchte ich nur kurz die Stationen der Autotour benennen. Grand Canyon, North- und South Rim, Lake Powell, Brice Canyon, Las Vegas, Death Valley, Owens Lake, Lake Isabelle, Bakersfield, Lake Pirn, Irvine – unser Ausgangspunkt. Kurzum es waren 2600 km in sieben Tagen. Mit so einem Stressprogramm von
ca. 400 km/Tag sieht man zwar viel, aber die Reiseeindrücke laufen wie in einem Film ab. Der persönliche Kontakt zu Land und Leute wird größtenteils durch Autoscheiben getrennt. In L.A. gab es noch einen Besuch bei den Universal Studios „Hollywood“ der weltweit größten Produktionsstätte der Filmindustrie. Hier werden zeitlich begrenzte Träume wahr, jedoch alles ohne bleibenden Wert. Aber bewundernswert mit wie viel Tricks, Raffinesse und High Technik hier Fantasievorstellungen verwirklicht werden. Da brechen alte Holzbrücken zusammen und richten sich dank Hydraulik wieder auf, Westernkulissen mit Stuntmen, Häuser brennen auf Bestellung, der Weiße Hai erscheint im brodelnden Wasser, nachgestellte Erdbeben, Zugunfall, Geisterhaus, Indianerüberfall auf Santa Fee Express sowie Kulissen aller Art. Hier verrinnt die Zeit wie im Flug.
Nach einer bikefreien Woche ging es endlich am 24.8. weiter in Richtung San Diego. Wir genossen die ersten Kilometer mit unseren Rädern. Fremde Autofahrer winkten uns freundlich zu und kurz darauf waren wir wieder in unserem vertrauten Element. In San Clemente am Deheny St.Beach wurde campiert und gebadet, obwohl wir schon wieder eine Einladung durch einen netten Autofahrer bekommen hatten. Wir brutzelten auf unserem Campingkocher ein Radlermenü „Chili Con Carne“ nach der scharfen Art und genossen die Abendstimmung. Der San Eliot State Beach war letzte Station vor San Diego. Der Parkrancher kümmerte sich rührend um uns, wir waren seine bevorzugten Gäste. Am 57.ten Tag unserer Radtour standen wir in Tijuana an der Grenzstation zu Mexico, es war der 27.08.1990 – 12:30 Uhr. Bis hierher waren es 4280 Radkilometer. In San Diego gab es einen tollen Campground mit Sonnenschutzdächern in Sattelform. Darunter Tische und Bänke – richtig komfortabel. Vor unserem Abflug nach San Francisco als Zwischenstation nach Hawaii besuchten wir noch Sea World mit Delphin- und Killerwalshow. Die Vorführung gehört zum Pflichtprogramm eines jeden U.S.A. Reisenden. Interessant waren noch eine Fahrt mit der stadtbekannten Trolley sowie der Besuch im Tierpark. Die Palmen und Kakteen im Balboa-Park hatten auf Grund der klimatischen Bedingungen ideale Voraussetzungen. Bis zum Abflug gab es noch eine Sightseeingtour durch San Diego. Wir verbrachten die Nacht vor dem Abflug im Flughafengebäude, hier war es angenehm kühl, verpackten unsere Räder und dann in aller früh ging's per Flugzeug über San Francisco nach Hawaii – unserem letzten Ziel. Da wurden Gedanken wach aus meiner Jugendzeit. Ich hatte einen Freund, der den Absprung mit Segelschein und Kapitänspatent in die Südsee schaffte und zur damaligen Zeit dort gut lebte. Bei seinen Erzählungen bekam ich Fernweh und nur der Verstand und das überlegte Handeln meiner Mutter bewahrte mich, dass ich ihn damals nicht mit begleitete. Sie erkannte, ein abgeschlossenes Studium ist wichtiger als ein ungewisses Abenteuer. Was aus Freddy geworden ist weiß ich nicht. Mein Traum von der Südsee sollte sich 30 Jahre später erfüllen – nicht mit Segelschiffen sondern mit Reiserädern, verheiratet und in Begleitung meiner lieben Doris. Am 30.8.90 war Landeanflug auf die Insel Oahu mit der Hauptstadt Honolulu. Schon der Blick aus dem Flugzeugfenster versprach vieles. Die erste Nacht verbrachten wir in einer Jugendherberge für Hiker und Biker. Hier waren viele Gleichgesinnte, Abenteurer und Aussteiger, die mit etwas weniger Geld nach dem Motto lebten: Mach es jetzt – oder nie! Man hörte bei allen Gesprächen irgendwie durch, Arbeiten ist nicht alles auf dieser Welt und das Leben ist so kurz.
Alle Hawaii Inseln sind geteilt in eine subtropische und eine trockene Zone. Das hängt mit den Windverhältnissen im Pazifischen Ozean zusammen, die durch die Vulkanberge gebremst werden. Subtropisch heißt Vegetation im Überfluss und schwül, während die trockene Inselhälfte mehr vom Tourismus erschlossen ist. Hier scheint fast immer die Sonne und mit Technik schaffte der Mensch die Begrünung, die alles angenehm macht. Während am Tag Temperaturen bis +40°C erreicht werden, wird es abends nicht kühler als +20°C. Ein Paradies in dem die Besucher dieser Inseln biblisches Alter erreichen. Hier setzt man sich als Pensionär zur Ruhe und genießt das, was das Leben noch bieten kann. Wenn man von Hawaii spricht, dann kennt jeder Tourist den Waikiki Beach. Hier liegt man in der Sonne oder im Wasser, man wird je nach Hauttyp rot oder braun, genießt alle nur erdenklichen touristischen Einrichtungen und die Nacht wird zum Tag. Für viele Amerikaner ist das ein grenzenloser Traum. Wir beide waren uns schnell einig, das ist nicht unsere Vorstellung von Hawaii. Kurz entschlossen verließen wir Honolulu in östliche Richtung. Nach wenigen Meilen war der Trubel vorbei. Menschenleere Sandstrände und tolle Beach und State Parks mit Palmen und tropischen Blumen aller Art. Was man in Hawaii unter Insidern wissen sollte. Die State Parks werden hauptsächlich von Urlaubern besucht und genutzt, während die Beach Parks mehr von der einheimischen Bevölkerung bevorzugt werden. Also stand für uns fest, wenn möglich biwakieren wir auf Beach Parks. Unser erster Zeltplatz war der Waimanaloa Beach Park. Kaum dass wir mit dem Zeltaufbau fertig waren, wurden wir auch schon von der vor Ort lebenden Bevölkerung integriert. Man lud uns ein, wir mussten erzählen und gemeinsam saßen wir am Strand und genossen den einmaligen Sonnenuntergang. Wir lernten eine ältere Hawaiianerin kennen, die mit zwei Männern ohne Stress glücklich lebte. Das ist zwar nach amerikanischen Recht verboten, aber hier auf Hawaii nimmt man das nicht so ernst. Fast 80 % der auf Hawaii lebenden Menschen sind Mischlinge. Tags darauf ging's weiter Richtung Kaneohe. Rechts der Pazifische Ozean und links typische Berglandschaften vulkanischen Ursprungs mit üppiger Vegetation, kaum Autos und immer freundliche Menschen. Man lebt ja hier im Paradies. Ein kurzer Abstecher zur Byodo Tempelanlage mit Gartenlandschaft der nach Japanischer Mythologie erbaut wurde, war ein lohnendes Ziel. Jede Bucht an der wir vorbei kamen hatte ihre Eigenart, die zum fotografieren einlud. Ananas, Bananen, Papayas usw. gab es im Überfluss und auch sehr preiswert. Kokosnüsse wurden eingesammelt und geknackt, sie lagen am Straßenrand. Es gab nicht nur Sonnenschein sondern ab und zu auch Regengüsse, nach tropischer Art mit heftigen Windböen. Doch meistens nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Unsere Tagesabschnitte begrenzten wir bis max. 40 Miles. Wir hatten noch den ganzen September für unseren Hawaii-Trip zu Verfügung. Auf dem Camground Mokuleia hatten wir ein besonderes Erlebnis. Wir hatten unser Tagessoll geradelt und schauten nach einem Übernachtungsplatz. Ich sprach einen etwas zweifelhaft aussehenden jungen Mann an, ob hier noch Platz wäre für ein Zelt, da dieser Campground ziemlich belegt war. Der schaute mich an, fragte woher wir kommen: Ich sagte ihm – aus Germany. Auf einmal rief er ganz laut nach Hilde und schwenkte seine Arme in der Luft.
Hilde, Hilde, look the biker are Germans. Aus einer größeren Gesellschaft von ca. 20 Leuten, die hier ihr jährliches Familientreffen mit einer großen Grillparty feierten, kam Hilde auf uns zu. Sie hatte nach dem Krieg einen Hawaiianer geheiratet, der als Soldat in Deutschland stationiert war. Sofort lud sie uns ein und wir mussten mit feiern. Es gab selbst gefangenen gegrillten Fisch, Steaks und Getränke ohne Ende bis spät in die Nacht. Es gab viel zu erzählen. Nächsten Tag verabschiedeten wir uns, man tauschte Adressen aus. Es wurde eine feste Freundschaft über Jahre hinaus. Bei einem späteren Deutschlandbesuch war Hilde in Erlangen selbstverständlich unser Gast und wir zeigten ihr unser schönes Frankenland. Kaena Point ist gesperrtes Gebiet für motorisierte Fahrzeuge aller Art.Große Felsbrocken und Stahlschranken versperrten die Weiterfahrt. Nicht für uns! Wir hoben die Fahrräder über diese Hindernisse und schoben diese ca. 4 – 5 km durch teilweise unwegsames Gelände. Ab Kaena Point State Park war die Straße wieder befahrbar. Mit dieser Exkursion können wir sagen, wir haben Oahu komplett umrundet, was für Autofahrer unmöglich ist. Ca. 310 km war die Inselumrundung von Oahu mit Abstechern. In Ewa Beach besuchten wir nochmals Hilde, die hier zu Hause war. Die Verabschiedung fiel uns schwer. Sie und ihr Ehemann waren wortwörtlich die Herzlichkeit in Person. In Honolulu ging’s mit dem Flugzeug weiter nach Big Island. In Hilo auf Big Island regnete es während der ganzen Nacht in Strömen. Bei vielen Campern liefen die Zelte voll. Es war warm und schwül. Üppige Vegetation und sattes Grün mit Palmen soweit das Auge reicht. Morgens strahlender Sonnenschein, das ist Hawaii. Wir lernten eine Physiotherapeutin kennen, die mit ihrem Bike nach Hawi zu Freunden unterwegs war. Noch wussten wir nicht dass wir sie später auf der Insel wieder sehen sollten. Dazu später. Unsere Tourplanung war so ausgerichtet, dass wir durch den Nationalpark auf der Road 130 nach Vulcano fahren wollten. Doch der Kalapana Vulkan war aktiv und der Lavastrom versperrte bei Kamoamoa die Weiterfahrt. Heiße Lava bedeckte in großer breite die Straße und die angrenzenden Landflächen. Parkrancher versperrten uns ohne wenn und aber die Weiterfahrt. Es gab ein paar Erinnerungsfotos von uns mit der dampfenden Lava und einer Kirche, die mit Spezialgeräten abtransportiert wurde. Dann ging’s zurück auf gleicher Straße bis Keaan und auf der Vulcano-Road nach Vulcano. Viele grüßten nach hawaiianischer Art mit „hang loos“. Die mittleren Finger der rechten Hand sind eingeknickt und kleiner Finger sowie Daumen zeigen nach oben, dabei wird die Hand hin- und hergedreht. Der Kilauea-Krater liegt ca. 1000 m hoch im Nationalpark. Wir hatten wohl das Wetterglück gepachtet, auf halber Strecke hat uns der tropische Regen wieder eingeholt. Es war nicht kalt aber schwül. Jetzt ist uns endgültig klar, wieso der Regenwald so üppig gedeiht. Undurchdringlicher Dschungel rechts und links der Straße. In Vulcano leisteten wir uns eine Lodge, denn nirgendwo gab es ein trockenes Plätzchen für unser Zelt. Wir waren durchnässt, außerdem musste mal wieder Wäsche gewaschen werden, wir hatten nichts mehr zum wechseln. Eine Rundfahrt auf der Vulcano Road um den Krater bei Sonnenschein und eine Kraterdurchwanderung war der Lohn am nächsten Tag für die Wasserschlacht am Vortag. Es ist ein gewaltiges Zeugnis der Urgewalten die innerhalb der Erdkruste stattfinden und ihren Überdruck an die Erdoberfläche entladen. Aus Erdspalten steigt Schwefeldampf empor und es ist nicht ganz ungefährlich, diesen einzuatmen. Tags drauf ging's weiter aber diesmal mit Sonnenschein. Irgendwo bei Petroglyphs fragte ich einen seltsamen Gesellen an der Straße nach dem Weg. Der schaute mich mit verklärten Augen an und sagte: „You must fly with the birds.“ Mir war klar, den hat sich Hawaii unwiderruflich einverleibt. Am Black Sand Beach campierten wir mit Einheimischen die während der Sommerzeit aus klimatischen Gründen hier ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Wir wurden mal wieder eingeladen. Edgar, holte seine Gitarre und es wurde eine Hawaiianische Nacht. Die ganze Gruppe war richtig musikalisch und es wurde viel gesungen von Hawaii und der für sie verlorenen Zeit. Wir saßen oder lagen am Strand, schlürften Getränke, schauten auf das tiefblaue Meer und lauschten der Brandung. Für ein paar Stunden hatten wir das Gefühl, wir sind zurückversetzt ins 17. Jahrhundert zu Zeiten Captain Cook. Richtiges Gänsehaut-Feeling. Am nächsten Tag trennten wir uns, ich glaub es gab auch ein paar Tränen. Im Hookena Beach Park ca. 4 km bergab von der Road No.11 ist zu erwähnen, hier gab’s kein Wasser. Also versuchte ich es in der Toilette, auch hier gab es nichts. Im Spülkasten wurde ich dann fündig. Es reichte zum waschen, für den Tee und zum kochen. Als wir gegessen hatten tauchten Hawaiianer mit einem Geländewagen auf. Wir fragten nach Wasser und wir erhielten stattdessen einige Dosen Bier. Es wurde noch ein lustiger Abend. In Kailua Kona gab es keinen Campingplatz aber an der Küste ca. 15 km von Kona entfernt in der Nähe des Flughafens biwakierten wir am Keanhon Beach Park. Der Strand war zum Baden nicht geeignet und unser Zelt stand in der Einflugschneise des Flugplatzes. Laufend starteten und landeten Flugzeuge mit ohrenbetäubendem Lärm. Es war eine Nacht mit wenig Schlaf. Wenigsten ein Wasserhahn war in 500 m Entfernung vorhanden und da lief Wasser raus. Auf dem Queen Kaahumanua Highway machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit Triathlon. Mir fielen die Radfahrer auf, die in der sogenannten Tria-Stellung an mir vorbeifuhren oder auf der Gegenfahrbahn zurückkamen. Ich legte mich mit einigen an, hatte aber eigentlich mit meinem Gepäck gar keine Chance. In Kawaihae an einem Store kam ich mit den für mich so sonderbaren Radlern ins Gespräch. Ich erfuhr etwas vom Ironman und die für mich damals unglaublichen Distanzen, die diese Athleten hintereinander an einem Stück bzw. an einem Tag absolvierten. Es war die Zeit der WM beim Ironman auf Hawaii in Kona. Dieses Erlebnis sollte ein paar Jahre später noch bei mir nicht geahnte Folgen haben. Am vorgenannten Store hielt plötzlich ein Auto. Die Radlerin von Hilo erkannte uns wieder und lud uns nach Hawi ein. Wir sagten für den nächsten Tag zu. Die Nacht verbrachten wir am Spencer Beach Park und langsam gewöhnten wir uns daran dass wir hier mit unseren vollbepackten Reiserädern Exoten sind. Es war ein Pfarrer mit Frau und Kindern der uns ebenfalls für den nächsten Tag nach Hawi zu sich einlud. Jetzt hatten wir schon zwei Adressen für die nächste Unterkunft. Wir hatten einfach Glück. Der Spencer Park ist ein tolles Fleckchen, der von seiner Lage sowie von seinen Einrichtungen einmalig ist. Wir können nur sagen, besucht ihn mal, legt euch ins warme Meerwasser und genießt den Sonnenuntergang unter Palmen. Ein Wunsch danach wird bestehen bleiben, wenn es irgendwie geht kommt man wieder. Nach Hawi geht es bergauf durch Lavafelder und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Doch Hawi ist schön mit angenehmen Klima. Bei Steve dem Pfarrer wohnen wir und bei Judit statteten wir einen Besuch ab. Im Whirlpool relaxten wir, besuchten das Pololu Valley, wurden fürstlich bewirtet und fühlten uns wie im Paradies. Da die Familie am nächsten Tag in aller Früh zum Hochseefischen aufbrach, verabschiedeten wir uns bereits abends. Als wir am Morgen aufstanden war der Kaffeetisch gedeckt und auf einem Zettel stand,“ es hat uns riesig gefreut Euch kennen zu lernen, lasst mal was von Euch hören. Wenn ihr geht, schließt ab und werft den Schlüssel durch den Briefschlitz. Tschüs und weiterhin gute Fahrt“. Wir waren überwältigt von soviel grenzenlosem Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft. Nach Abschluss der Tour bedankten wir uns mit Bildern.Über die Kohala Mountain Road, die noch bis 1200 m Höhe anstieg kämpften wir uns bei starkem Wind, aber toller Fernsicht nach Waimea. In der Ferne, die schneebedeckten Gipfel von Mauna Loa und Mauna Kea,
13.677 feet hoch –gewaltig! Laupahoehoe wunderschön zwischen Palmen ist ein Campground mit schrecklicher Vergangenheit. Eine Tsunamiwelle überflutete ihn und riss 35 Menschen in den Tod. Wir sind wieder auf der Regenseite der Insel. Blumen, üppiges Grün und in jeder Bucht ein Wasserfall, Bilderbuchromantik – soweit das Auge reicht. Die Akaka Falls sind eine bleibende Erinnerung. Am 11.9. waren wir wieder in Hilo, aber diesmal mit Sonnen-
schein. Die nächste Insel war Maui. Der Flugkapitän der Hawaii Airline verabschiedete uns nach der Landung mit den Worten:“ Wer leichter als 50 kg ist, solle sich beim Nachbarn festhalten“, denn es herrschten extreme Windverhältnisse. Egal wie, wir sattelten unsere Räder und fuhren mit viel Gegenwind zum nächsten Campground Paia. Es war die Zeit der Zuckerrohrernte und der Wind wirbelte den Staub der Felder durch die Luft. Der Camp-ground in Paia war keine Idylle. Keine schützenden Bäume, nur etwas Gestrüpp und wir mussten das Zelt zusätzlich am Zaun verankern, sonst wäre es weggeflogen und dann der Dreck. Der einzige Luxus war eine freistehende Dusche mitten am Platz. Wollte man sich duschen, so musste man sich ca. 2 m daneben stellen, sonst hätte man bei dem Wind kein Wasser abbekommen. Also stand erst einmal baden auf dem Programm. Entschädigt wurden wir durch einen traumhaften Sandstrand. Endlich gegen Abend ließ der Wind nach und duschen war möglich. Eine tolle Strecke ist die Landschaft bis Hana. Rechts und links Dschungel, malerische Buchten, leider ging es immer bergauf und bergab bei subtropischen Temperaturen. Ganz schön schweißtreibend. Ab und zu kurze Regenschauer mit anschließender Schwüle. Wir mussten immer die Regenhaut parat halten. Es dampfte wie in einer Waschküche und nichts blieb trocken. Auch Bambus wuchs hier in dem feuchten Klima. In Keana schlugen wir unser Zelt unter einer Überdachung auf und prompt regnete es in dieser Nacht nicht. Die Nordseite von Maui wurde auf dem Honoapilani Highway umrundet. Verschiedene Volksgruppen haben hier ihre individuellen Parkanlagen. Wir stellten fest, warum haben wir für alles nur so wenig Zeit. Der krönende Abschluss auf Maui war die Fahrt auf den Haleakala Krater – 10.023 feet hoch. Ein grandioser Rundblick mit Sonnenuntergang oberhalb der Wolkengrenze. Dann wurde es richtig kalt. Eine Überdachung bot etwas Schutz vor der Nacht und bei Hautkontakt im Schlafsack wurde es auch etwas warm. Die Abfahrt war das Beste. 40 km nur bergab. Auf Maui wird die Abfahrt mit Mountain Bikes durch Veranstalter an Touristen angeboten und ist hier eine beliebte Abwechslung zum Surfen und baden. Am letzten Tag besuchten wir noch die Surfer vor Paia, die hier, so sagt man, die besten Bedingungen auf der Welt hätten. Es war beeindruckend mit welcher Perfektion sie diesen Sport auf den Brandungswellen mit ihren Brettern meisterten.Am 18.9. ging's zum Flughafen in Richtung Kauai, der letzten Insel auf unserem Hawaii Trip. Kauai, die Garteninsel ist wohl die interessanteste. In der Jugendherberge trafen wir Norbert den Rucksacktraveller, der schon viel von der Welt gesehen hatte. Nachdem wir ihn schon das dritte Mal trafen, sieht man wie klein die Welt ist. Ein absolutes muss auf Kauai ist der Waimea Canyon, der mit dem Grand Canyon im verkleinerten Maßstab zu vergleichen ist. Nach unserer Ansicht ist er sogar schöner durch das üppige Grün innerhalb der Felswände. Die Straße bis zum Kalalan Lookout ist ein Naturerlebnis. Am Nolihale Statepark waren wir allein. Kein Wunder, denn die letzten 5 Milen waren staubige Straße und Fußweg. Das ist nichts für kurzfristige Touristen. So ist Hawaii. An touristischen Punkten von Menschenhand geschaffen ist alles voll. Muss man aber etwas zu Fuß gehen, dann hat man menschenleere Sandstrände und Postkartenidylle für sich allein. Wir stellten immer wieder fest, die motorisierte Welt hat den Menschen von der Natur entfernt. Wir hatten keinen Vergleich zu anderen tropischen Inseln, doch der hier gewonnene Eindruck der Fauna und Blütenpracht war für uns einfach überwältigend. Zum Schluss ging's noch zum Haena State Park auf die Nordseite, vorbei an dem sogenannten größten Leuchtturm der Welt. Vermutlich wurden die Höhenmeter vom Wasserspiegel bis Felsplateau auf dem der Leuchtturm stand mitgerechnet. Wir waren anderer Meinung aber es stand auf dem Hinweisschild. Auch hier Naturschutzgebiete mit Vögeln und Tieren aller Art. Die Straße umrundete die Insel in Ufernähe so dass uns auf der einen Seite immer das Meer und gegenüberliegend die vulkanischen Berge begleiteten. Bei Hanapepe gab es Spoting Horns. Durch Hohlräume im Lavagestein und durch den Wellengang des Meeres wird hier Wasser durchgepresst, sodass riesige Fontänen emporschießen. Beim Rückfluss des Wassers gibt es hupenartige Geräusche. Die letzten Tage auf Kauai ließen wir mit baden und faulenzen ausklingen. Am 24.9.90 flogen wir nach Oahu zu Hilde und Al. Wir wurden vom Flughafen abgeholt. Wir waren noch einige Tage ihre Gäste und besuchten mit Al den Bunch Bowl über Honolulu. Dies ist die Gedenkstätte für die vielen gefallenen Soldaten des letzten Weltkrieges. Man kann nur Hoffen, dass solch ein Wahnsinn sich nicht wiederholt. Am 27.9. war unser Traum Hawaii ausgeträumt. Noch ein paar Erinnerungsfotos, das letzte goodby mit dem Lai um den Hals und dann ging's ab in die Wirklichkeit über San Francisco und London nach München. Hier wurden wir schon sehnsüchtig erwartet von unseren Kindern und dem Rest der Familie. Es war Ende September und zu Hause wurden wir vom Herbst empfangen. Was für eine Traumreise – 3 Monate keine Arbeit, kein Stress, keine Verantwortung, keine Termine und grenzenlose Freiheit. Für uns beide war klar, obwohl es nicht ausgesprochen wurde, sollten wir gesund bleiben gibt es eine Fortsetzung. Reiseziele gibt es viele auf der Welt, doch mit dem Fahrrad erlebt man vieles hautnah, obwohl es oft sehr anstrengend war. Zum Schluss herzlichen Dank an all die Gastfreundschaft, die wir erleben durften. Hoffentlich können wir uns bei diesen Leuten, wenn sie nach Old Germany kommen revanchieren.

Zusammenfassung der 3-monatigen Radtour durch die USA
Mit dem Fahrrad, die Westküste 4300 km
Mit dem Fahrrad um die Hawaii-Inseln 1300 km
Mit dem Auto 2600 km
Zu Fuß auf Trails 100 km
Summe ca. 8300 km

Zeit: 3 Monat / Juli- August- September 1990
Es wurde immer im Zelt genächtigt, außer man wurde privat eingeladen.
8 Plattfüsse, 1 Seilzug der Gangschaltung ist gerissen,
Originalsatz Reifen hielt durch,
Fahrräder: Kettler All Terrain Bikes, 26 Zoll, 24 Gang, 18 kg schwer, beladen ca. 45 kg.
2 Personen-Zelt und Gaskocher
bevorzugte Gerichte: Haferflocken mit Rosinen und Milch, das gab Gas, Chili Con Carne mit extra Portion Knoblauch, Nudelgerichte aller Art und Durst ohne Ende.

Was uns auffiel: Wir hörten es oft: „Total grazy, but very great.“
Keine Fußgänger, wenig Radfahrer. Alle fahren mit dem Auto und wenn es noch so kurz ist.